Mittwoch, 11. September 2013

Jorte: Daten retten / Wieder herstellen (Anleitung)

Die Kalender-App Jorte ist sehr beliebt und somit relativ weit verbreitet. Die Daten können mit dem Google-Kalender synchronisiert werden. Vergisst man das Synchronisieren und das Handy ist defekt, muss man die Daten mühsam wieder herstellen.

Ich stand vor der Situation, dass eine Kollegin ihre Termine aus Jorte nicht mehr hatte, nachdem sie ihr Handy auf die Werkeinstellungen zurücksetzen musste. In den Foren gab es viele mit diesem Problem, aber keine Anleitungen, also suchte ich selber einen Weg.

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt keine One-Click-Lösung. Folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung sollte aber für alle umsetzbar sein, die im Umgang mit einem Computer etwas geübt sind. Da ich mit Windows und MS-Office arbeite, baut die Anleitung darauf auf. Für andere Systeme dürfte der Weg ähnlich sein.

Solltest du Probleme haben mit der Anleitung, kannst du mich per E-Mail kontaktieren (mostinder@kaffeeschluerfer.com). Vielleicht kann ich den entscheidenden Tipp geben. Im schlimmsten Fall kannst du mir die Datenbank schicken, ich wandle sie kurz um und schicke sie als Excel zurück (ich habe so natürlich Einblick in deine Termine, das lässt sich nicht vermeiden, aber ich bin verschwiegen wie ein Grab...).

1. Schritt: Datenbank suchen
Mit etwas Glück wurde die Datenbank nicht gelöscht (auf dem Galaxy SII war sie nach dem Zurücksetzen jedenfalls noch vorhanden). 
  1. Schliesse das Handy mit dem USB-Kabel an den PC an.
  2. Suche nach dem Ordner mit der Jorte-Datenbank (wahrscheinlich auf der SD-Karte)
  3. Kopiere die Datei "jorte.db" auf den Computer

2. Schritt: Datenbank öffnen
Die Datei "jorte.db" ist eine SQLite-Datenbank. Falls du keine passende Software hast, um die Datei zu öffnen, kannst du den "SQLite Administrator" bei heise.de gratis herunterladen.


3. Schritt: In eine Excel-Tabelle umwandeln
Die Screenshots und Anweisungen beruhen auf der Software "SQLite Administrator":

1. Wähle im zentralen Fenster den Reiter "Datensätze editieren"



2. Die Datenbank enthält viele verschiedene Tabellen. Finde im linken Rahmen unter "Tabellen" die Tabelle "jorte_schedules" und klicke sie an.




3. Im zentralen Fenster siehst du eine umfangreiche Tabelle. Das sind die gesuchten Termine (auch wenn du das Datum der Einträge noch nicht lesen kannst). Klicke oben auf "Daten", dann auf "An Excel senden" (nicht "Exportieren"!)




4. Nach einer kurzen Wartezeit (je nach Grösse der Datei) öffnet sich Excel.
Speichere die Datei ab.


4. Schritt: Datum und Zeit in ein lesbares Format umwandeln

Das Datum wird als siebenstellige Zahl dargestellt, die Zeit als vierstellige Zahl. Um sie lesbar zu machen, gehst du wie folgt vor:

1. Füge zwischen den Spalten "time_end" und "title" sechs neue Spalten ein.

2. Gib den neuen Spalten folgende Titel: "ref_dat", "ref_wert", "Datum_start", "Datum_end", "Zeit_start" und "Zeit_end"



3. Weise jeder neuen Spalte das folgende Format zu (Spalte markieren --> Rechtsklick --> Zellen formatieren)

  • ref_dat, Datum_start, Datum_end: Datum (dd.mm.yyyy)
  • ref_wert: Zahl (ohne Kommastellen)
  • Zeit_start, Zeit_end: Uhrzeit (hh.mm)

4. Füge in jeder Zeile der Spalte "ref_dat" das Datum 01.01.2012 ein.

5. Füge in jeder Zeile der Spalte "ref_wert" die Zahl 2455928 ein.



6. Jetzt kommen die Formeln. Zum Vergleich: Wenn bei dir alles gleich ist wie bei mir, dann sind die Spalten mit folgenden Werten besetzt:

  • Spalte G: date_start
  • Spalte H: date_end
  • Spalte I: time_start
  • Spalte J: time_end
  • Spalte K: ref_dat
  • Spalte L: ref_wert
  • Spalte M: Datum_start
  • Spalte N: Datum_end
  • Spalte O: Zeit_start
  • Spalte P: Zeit_end

Wenn nicht, musst du bei den folgenden Formeln die Spalten entsprechend anpassen.

7. Formeln (abtippen, copy-paste funzt normalerweise nicht):

  • Zelle M2: =K2-L2+G2
  • Zelle N2: =K2-L2+H2
  • Zelle O2: =I2/60/24
  • Zelle P2: =J2/60/24
Kopiere dann die Formeln in alle Zellen der Spalte (also die Formel aus M2 in M3, M4, M5, ... kopieren).


5. Schritt: abtippen
Jetzt kannst du die unwichtigen Spalten ausblenden (wenn du magst), anschliessend musst du die Daten leider von Hand wieder in den Kalender eintippen.
Aktiviere diesmal die Synchronisation mit dem Google-Kalender, dann gehen keine Termine mehr verloren.

Wenn es funktioniert hat, gerne einen kurzen Kommentar hinterlassen :-)

Dienstag, 15. Januar 2013

Lieber Briefkastenonkel - Fragen zu Natel Infinity S

Bild: Julien Christ / pixelio.de

Über 550 Klicks zählten meine Blogposts zu Natel Infinity S bis heute. Hardcore-Bloggern zaubert eine solche Zahl bestenfalls ein müdes Lächeln auf die Lippen, für meine Verhältnisse ist das viel. Was mich aber mehr erstaunte, war, wie viele Rückmeldungen und Anfragen per Email gemacht wurden.

Hier die Fragen, die auch für andere Unentschlossene interessant sein könnten. Es sind fast nur Fragen zu Apps. Fragen zu Abowechsel und ähnliches kann ich nicht kompetent beantworten, dafür gibt es den Kundenservice der Swissvom. - Und immer im Hinterkopf behalten: Ich bin Technik-Laie und kann nur aus meiner Erfahrung berichten. 

Funktioniert Skype?
Ich kann Videogespräche per Skype nicht testen, da mein Handy dies mangels Frontkamera nicht unterstützt. Audiogespräche (also nur Ton, kein Bild) mit einem Gesprächspartner funktionieren tadellos. Ein Audio-Konferenzgespräch habe ich nicht getestet. Laut FAQ von Skype reicht die Bandbreite des Infinity S für ein Videogespräch mit einer Person aus. Für Gruppengespräche per Video ist ein schnelleres Abo nötig.
Auch beim Konkurrenzprodukt ooVoo funktionieren Audio-Gespräche tadellos. Auf Anfrage gibt ooVoo an, dass die Bandbreite des Infinity S für ein Videogespräch mit einer Person ausreicht.

Funktioniert mobiles TV wirklich?
Ja. Ich habe Zattoo installiert und kann damit problemlos fernsehen. Wer mit dem Tablet in HD-Qualität fernsehen will, braucht aber wahrscheinlich ein schnelleres Abo.

Ist unterbruchfreies Musikhören ab Spotify und iTunes möglich?
Keine Ahnung. Ich wollte mich zu Testzwecken bei Sportify anmelden, was aber offenbar nur mit einem Facebook-Account möglich ist. Ohne Facebook-Profil muss ich leider draussen bleiben. iTunes nutze ich nicht.

Ist das Abo nicht zu teuer?
Ich kann nur für mich sprechen. Mit meinem Telefonverhalten ist dieses Abo für mich die günstigste Variante. Dabei sind nicht nur die Kosten für Gesprächsminuten und Datenvolumen ausschlaggebend, sondern auch die Netzabdeckung. Andere Mobile-Anbieter haben in den Gegenden, wo ich mich vorwiegend aufhalte, nur ein EDGE-Netz. Ich habe da zwar Internet, aber jede Brieftaube kurz vor der Pensionierung ist schneller.
In grösseren Ortschaften und Städten oder bei einem anderen Nutzungsverhalten könnten andere Angebote günstiger sein, das habe ich nicht geprüft. Einen Beitrag von Ralf Beyeler zu diesem Thema findet sich im Archiv von "20 Minuten".

Sind wirklich alle Anrufe gratis?
Nein. Anrufe auf sogenannte Mehrwertdienste mit der Vorwahl 090x und 084x sind kostenpflichtig. Ein Anruf auf eine solche Nummer setzt sich aus dem vom Anbieter festgesetzten Minutentarif (z.B. CHF 1.19/Min) und dem Mobile-Zuschlag der Swisscom zusammen. Dieser Mobile-Zuschlag ist für Infinity-Abos CHF 0.30/Min oder CHF 0.50/Min., je nach Mehrwertdienst.
Details zu den Zuschlägen finden sich hier.

Werden Sie von Swisscom bezahlt?
Nein. Dies sind rein private Blogposts, in denen ich meine Erfahrungen mit dem Infinity S weitergebe. Dass ich zum "Briefkastenonkel" wurde, war nicht geplant. Bei einigen Anfragen habe ich den Fragenden denn auch an die Swisscom verwiesen.

Zur Sicherheit noch einmal: Ich gebe hier meine persönliche Erfahrung wieder. Wie ich in einem anderen Text zum Thema bereits beschrieben habe, hängt die Geschwindigkeit im Internet zum Beispiel auch vom Handytyp ab. Wer sich für einen Abowechsel interessiert, sollte verschiedene Quellen zu Rate ziehen.

Weiter Texte zu diesem Thema unter dem Label Infinity

Mittwoch, 4. Juli 2012

Natel Infinity S: Wenn langsam gar nicht so langsam ist

Bild: Joachim Kirchner / pixelio.de
Seit etwas mehr als einer Woche bin ich nun mit dem Abonnement Natel Infinity S von Swisscom unterwegs. Das Spezielle an diesem Abotyp ist, dass die Surfgeschwindigkeit auf 1 Mbit/s (Download) gedrosselt ist. Ansonsten sind in der Monatspauschale, wie bei jedem Abo der Infinty-Reihe, alle Telefonate in alle Schweizer Netze, alle SMS, alle MMS und unbegrenztes Datenvolumen inbegriffen. Zeit für eine erste Bilanz.

Im folgenden liste ich einige Anwendungen auf, die ich ausprobiert habe. Dazu einige Vorbemerkungen:

  • Dieser Blogpost soll jenen als Entscheidungshilfe dienen, die sich nicht zwischen einem Infinity S und einem Infinity M entscheiden können.
  • Ich benutze ein HTC Desire HD. Der Handytyp ist deshalb wichtig, weil laut Kassensturz offenbar nicht jedes Handy die Informationen aus dem Internet gleich schnell verarbeitet.
  • Wenn ich eine App nicht erwähne, heisst das nicht, dass sie nicht funktioniert, sondern nur, dass ich sie nicht ausprobiert habe.
  • Wenn es Unterbrüche gab (z.B. beim Radioempfang), hätte es diese wohl auch gegeben, wenn ich ein Abo genutzt hätte, das einen schnelleren Download zugelassen hätte. Wenn die Daten nicht schnell genug geliefert werden, nützt vermutlich auch eine schnellere Downloadgeschwindigkeit nichts.  

Web-Radio
Internteradio habe ich mit den Apps TuneIn und Radio.de getestet. Ich konnte mich damit zu Fuss und mit dem Auto bewegen und hörte damit unterbruchfrei und in Stereo Radio aus aller Welt.

Fernsehen
Über Zattoo ist fernsehen problemlos und ruckelfrei möglich, auch während dem Autofahren auf der A1 (natürlich nur für den Beifahrer!).

Musik hören direkt ab Cloud
Ich muss nicht mehr die ganze Musik auf meinem Handy haben. Ich kann die Musik direkt ab meiner Cloud hören, ohne Rücksicht auf das Datenvolumen.

YouTube
Ich habe einige Filmchen auf YouTube angeschaut. Nach kurzer Ladezeit liefen diese ruckelfrei. Hochgeladen habe ich keine Filme. Ich gehöre halt zu der Generation, die einer gestürzten Oma lieber wieder auf die Beine hilft, statt die Szene zu filmen und ins Internet zu stellen.

Navigation
Mit Google Maps und Waze funktioniert die Navigation problemlos.

Email
Textnachrichten sind problemlos. Anhänge brauchen einige Sekunden, bis sie runtergeladen sind (8-10 Sekunden pro MB). Hochladen, zum Beispiel beim Versenden von Fotos, dauert doppelt so lang. Wer Email intensiv nutzt und viele Anhänge erhält oder verschickt, wird wohl auf das nächst grössere Abo wechseln.

Verschiedene Social-Media-Apps
WhatsApp, Twitter und Google+ laufen ohne Probleme.

Videotelefonie
Ich werde Skype und ooVoo in den nächsten Tagen testen. Je nach Ergebnis mache ich daraus einen neuen Post oder hier ein Update.

Sofortige Synchronisierung
Bisher habe ich Fotos, Google Kalender und andere Daten erst bei WLAN-Verbindung synchronisieren lassen. Neu wird sofort alles synchronisiert. Im Fall eines Handyverlustes oder Defektes wären immer alle Daten top aktuell in der Cloud vorhanden.

Problemkind Akku
Der intensive Datentransfer, zum Beispiel beim langen Web-Radio hören oder beim Fernsehen, saugt am Akku. Während mein Akku sonst problemlos 24 Stunden durchgehalten hat, muss ich bei intensiver Internetnutzung zwischendurch nachladen.

Vergleichsvideos der Swisscom
Swisscom vergleicht die Geschwindigkeit verschiedener Apps, indem sie Handys mit verschiedenen Abos mit den gleichen Befehlen füttert. Die Ergebnisse sind in Videos zu sehen (ganz unten nach unten scrollen) und dienen als Entscheidungshilfe.

Zu beachten wäre, dass die Surfgeschwindigkeit nicht nur vom Abo abhängt, sondern unter anderem auch von der Distanz zum Sender und zur Auslastung desselben. Wer also einen Sender nutzt, der etwas weiter weg steht und der gleichzeitig auch von anderen "Natellisten" gebraucht wird, wird langsamer surfen, als derjenige, der gleich neben dem Sender sitzt und diesen alleine nutzt (siehe auch Bericht des Kassensturzes). In der ländlichen Gegend, in der ich mich vorwiegend bewege, habe ich die maximal möglichen 7,2 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit meines alten Abos niemals auch nur annähernd erreicht (gemäss verschiedenen Messungen mit Speed Test). Swisscom hat bestimmt unter optimalen Bedingungen getestet.

Fazit nach einer Woche
Mein Handy war bisher primär ein Telefon. Obwohl ich das Datenvolumen meines bisherigen Abos nie ausgeschöpft hatte, verzichtete ich bisher auf intensive Nutzung des mobilen Internets. Neu nutze ich mein Handy öfters auch für Internet. Besonderen Gefallen habe ich an Web-Radio gefunden. Obwohl ich zu Hause und im Büro WLAN nutze, habe ich in den ersten vier Tagen gleich viele Daten geladen, wie sonst in einem ganzen Monat. Das hängt aber sicher auch damit zusammen, dass ich sehr viel ausprobiere. Wenn die "Probierphase" einmal abgeschlossen ist, werde ich wahrscheinlich etwa 700-800 MB pro Monat verbrauchen.
In meinem Alltag spüre ich nichts vom "Tempolimit" von 1 Mbit/s. Würde ich gamen oder Videos hochladen, sähe die Situation aber bestimmt anders aus, dann wäre ein schnelleres Abo angezeigt. Das gleiche gilt selbstverständlich, wenn ich das Internet beruflich nutzen würde. Auch dann müsste ein schnelleres Abo her.

Hinweis: Es versteht sich, dass meine Einschätzungen rein persönlich sind. Wer sich für einen Abo-Wechsel interessiert, sollte sich bei verschiedenen Quellen informieren.


Weitere Beiträge zu diesem Thema unter dem Label Infinity

Freitag, 29. Juni 2012

Was ist denn Ka-em-haa?

Bild: Jasper J. Carton / pixelio.de
Ich habe mich immer gefragt, warum man im Fast-Food-Restaurant die Getränke nicht mit den üblichen Masseinheiten bestellen kann, sondern nur mit S, M, L oder XL. Als ich letzthin deutsches Fernsehen schaute, war mir alles klar.

Mit über 180 ka-em-ha sei der Unfallfahrer unterwegs gewesen, berichtet die Nachrichtensprecherin. Ka-em-ha? Natürlich komme ich nach kurzem Nachdenken darauf, dass sie km/h meinte, aber warum buchstabiert sie Masseinheiten? Und warum so falsch? 

Es wird kompliziert
Wenn man km/h schon buchstabieren will, dann bitte korrekt: "ka-em-schrägstrich-h". "Ka-em-ha" ist zwar kürzer, dafür total falsch. Allgemein verständlich wäre "Kilometer pro Stunde" (und korrekt dazu). 
Wenn es sich diese Moderatorin zur Gewohnheit gemacht hat, alle Masseinheiten abzukürzen, wird das für die Mitbürger sehr anstrengend. Zum Beispiel an der Fleischtheke: "Ein Schweinebraten bitte, etwa 1 ka-ge 200 ge." - "Gerne. Es sind 1 ka-ge 270 ge, geht das?" - "Klar, kein Problem." - Macht 12 e-u-er." 
Oder im Elektronikladen: "Oh, eine Kamera mit einer Auflösung von 16 em-pe-ix. Gibt es dazu ein Objektiv mit einem Zoom von 55 em-em bis 250 em-em? Was würde dann eine 32 ge-be-Speicherkare kosten?" - Horror!

Fast-Food-Ketten haben reagiert
Irgendwann war diese Moderatorin offenbar in einem Fast-Food-Restaurant: "Eine 400 em-el Cola, bitte!" - "Wieviel?!?" - "400 em-el, oder 40 ce-el, oder 4 de-el, oder 0,4 el. Kann doch nicht so schwer sein!"
Alle Fast-Food-Ketten haben blitzartig auf die Masseinheiten S, M, L und XL umgestellt.

Vielleicht war auch alles ganz anders. "Se non e vero, è ben trovato", würde der Italiener sagen.

Trotzdem, liebe Medien, seid Vorbilder und verzichtet auf blödsinnige und falsche Wendungen, die sich inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch einzuschleichen drohen.
Und liebe Hamburgerbrutzler: Mit der Masseinheit "M" kann ich bei Getränken nichts anfangen. Wenn ich bestelle, möchte ich wissen, ob ich damit den Durst löschen kann. - Danke!

Mfg
Mostinder


Mittwoch, 27. Juni 2012

Mit 77 Zeichen ins berufliche und politische Abseits

Bild: Torsten Bogdenand / pixelio.de
Es sind wenige Zeichen, die einem auf Twitter zur Verfügung stehen, nämlich 140 pro Mitteilung (Tweet). Nur gerade deren 77 brauchte A. M., um sich beruflich und politisch abzuschiessen. Wir alle sollten daraus lernen.

Sein "Kristallnacht-Tweet" wurde über die Landesgrenzen hinaus berühmt und hat in den Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Trotzdem ist A. M. nicht irgend ein Dummkopf. Er ist Kreditanalyst, war bei einem internationalen Finanzunternehmen tätig und wurde vom Volk in ein politisches Amt gewählt. Er sollte in Kommunikation, Rhetorik und im Umgang mit Medien so weit geschult sein, dass ihm ein solcher GAU nicht passieren dürfte. Umso erstaunlicher ist es, dass er selbst die grundlegenden Regeln für Social Media ignoriert hat. 
Es wäre jetzt aber zu billig, mit dem Zeigfinger auf ihn zu zeigen. Wer Social Media nutzt, stellt einen Teil seines Lebens und Denkens ins Schaufenster und wird so angreifbar.

Inhalt mehrerer Tweets inakzeptabel
Nicht zu diskutieren brauchen wir über den Inhalt seiner Tweets. Gleich mehrere seiner Posts waren inakzeptabel, nicht nur der berühmte Kristallnacht-Tweet. Diese lassen sich meiner Meinung nach auch nicht mit dem Recht auf freie Meinungsäusserung rechtfertigen. Dafür hat er gebüsst, indem er seinen Arbeitsplatz verloren hat und aus seiner Partei austreten musste. Sein Amt als Schulpfleger sistiert er gemäss Medienkonferenz vom 27.06.12 während der Dauer des Verfahrens. Es ist allerdings offen, ob ihm der Bezirksrat das Amt nicht sowieso entzieht.

Lehre für uns alle
Uns allen, die wir Social Media nutzen, zeigt dieses Beispiel eindrücklich, wie schnell uns eine unbedachte Äusserung in Teufels Küche bringen kann. Twitter ich kein Stammtisch. Dort ist der Kreis der Zuhörer nämlich klein und man kann davon ausgehen, dass nur Gleichgesinnte zuhören.
Bei Twitter lesen mehrere Dutzend bis mehrere Tausend, was man schreibt. Dies sind keineswegs nur Gleichgesinnte, und dank Retweets werden besondere Nachrichten schnell weit über Followergrenzen hinaus verbreitet.
Es müssen nicht, wie im Fall A. M., juristisch grenzwertige oder strafbare Äusserungen sein. Auch scheinbar Banales kann zum Bumerang werden. Wer zum Beispiel während Meetings Tweets absetzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese beim nächsten Qualigespräch zum Thema werden. Oder wenn der Tweet über die stinkende Bürokollegin dank einigen Retweets plötzlich in der Timeline eben dieser Kollegin auftaucht, möchte ich nicht derjenige sein, der den Originaltweet geschrieben hat.

Massstab: Mein Umfeld und der zukünftige Chef
Bei Äusserungen auf Twitter (oder hier in meinem Blog) habe ich immer mein Umfeld und meinen (imaginären) zukünftigen Chef vor Augen. Ich frage mich:
  • Stelle ich jemanden bloss oder verletze ich jemanden?
  • Gefährde ich meine Stelle?
  • Löst ein Tweet bei Familie und Freunden Unverständnis aus?
  • Könnte mir eine zukünftige Stelle oder ein Auftrag, den ich gerne hätte, wegen einer öffentlichen Äusserung verwehrt bleiben?
  • Könnten meine Kinder unter einem Tweet leiden (auslachen, hänseln...)?
  • Könnte jemand wegen meines Tweets Ärger bekommen?

Spontanität versus Sorgfalt
Trotzdem finden sich unter meinen Tweets bestimmt auch welche, die nicht lupenrein sind. Twitter ist ein spontanes, schnelllebiges Medium. Viel zu schnell lässt man sich zu einem unbedachten Tweet oder launischen Spruch hinreissen.
Ich selber folge einer breitgefächerten Twitterschar, quer durch alle Parteien, Berufsgruppen und Meinungen. Mindestens zwei dieser Twitterer verbreiten immer mal wieder heikle Tweets. Wären sie Politiker, hätten sie schon öfters einen Shitstorm der gleichen Qualität wie A. M. ausgelöst. So stelle ich mir nur immer wieder die Frage, ob ich ihnen weiterhin folgen soll oder nicht.

Noch einmal: Der Inhalt mehrerer Tweets von A. M. ist unterirdisch, möglicherweise gar illegal (das prüft zurzeit die Staatsanwaltschaft). A. M. ist hart auf dem Boden der Realität gelandet. Wir sollten nicht zusätzlich noch auf ihm herumtrampeln.
Weder A. M. noch seine Parteizugehörigkeit sind denn auch wichtig für diesen Blogpost. Er führt uns aber vor Augen, dass man auch mit wenigen Zeichen seine ganze Karriere zerstören kann.

Auch wenn ich weder mit seinem Gedankengut noch mit seiner (ehemaligen) Partei sympathisiere: Ich wünsche A. M., dass er wieder auf die Beine kommt und im Beruf wieder Fuss fassen kann.



Dienstag, 26. Juni 2012

Natel Infinity: Die unlimitierte mobile Freiheit hat begonnen

Bild: D. Braun / pixelio.de
Gestern Nacht kam die SMS: Ich bin für Natel Infinity S der Swisscom freigeschaltet. Ich darf also zum Pauschalpreis in alle Schweizer Netze telefonieren, unbeschränkt SMS und MMS verschicken und unbeschränkt Daten laden. Allerdings ist die Surfgeschwindigkeit beschränkt: Mit dem gewählten "Infinity S" gondle ich nur noch mit 1Mbit/s durch das mobile Internet. Ist das zu langsam?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Je nach Nutzung ist 1 Mbit/s ausreichend oder viel zu langsam. Ich selber zögerte lange, das zweitlangsamste Infinity-Abo zu wählen. Ich befürchtete, mich selber auszubremsen und mich nicht mehr wie bisher im mobilen Internet bewegen zu können. Meine Notizen sollen Unentschlossenen als eine Entscheidungshilfe dienen (aber bitte nicht als einzige!). 

Erster Eindruck: Tempodrosselung fällt kaum auf
Unterwegs nutzte ich Internet bisher nur wenig. WhatsApp und Twitter sind die einzigen Anwendungen, die ich intensiv nutze. Dazu kommen Online-Zeitungen und ab und zu Google Maps. Diese Anwendungen laufen, wie erwartet, problemlos, ich kann keinen Unterschied zum bisherigen Abo feststellen. Auch eine normale Suche bei Google zu einem beliebigen Thema funktioniert ohne Wartezeit.

YouTube und Webradio problemlos
Auf das Abspielen von Videos, die z.B. von Twitterern gepostet werden, habe ich bisher aus Rücksicht auf das Datenvolumen verzichtet. In Zukunft werde ich das ab und zu tun, denn: Auch wenn die Swisscom für das Anschauen von YouTube-Videos das nächst grössere Abo (Download mit 7,2 Mbit/s) empfiehlt, waren die getesteten Dreiminuten-Filme mit meinem "kleinen" Abo nach wenigen Sekunden geladen und liefen ruckelfrei. Videos hochladen würde ich mit einer Uploadgeschwindigkeit von 0,5 Mbit/s allerdings nicht tun wollen.
Webradio habe ich mit der App TuneIn getestet. Auch das funktioniert problemlos, allerdings wird da nur mit 64k gestreamt. Ob Webradio auch mit grösserer Bandbreite problemlos genutzt werden kann, muss ich noch probieren.

Mailanhänge mit Wartezeit
Beim Öffnen von Email-Anhängen braucht es allerdings etwas mehr Geduld. Der Download eines Bildes mit der Grösse von 1MB braucht mehr als 10 Sekunden, das Versenden braucht die doppelte Zeit. Wer seinen Lieben also ein paar aktuelle Urlaubsbilder per Email schicken will, legt schnell einmal eine Swisscom-Gedenkminute ein. Ich habe kein Problem damit, etwas länger zu warten, zumal Up- und Download ja im Hintergrund ablaufen. Wer aber viele Emails mit grösseren Anhängen erhält oder verschickt, könnte bei diesen Wartezeiten unglücklich werden. 

Test im Alltag steht noch aus
Bis jetzt konnte ich nur erste kleine Versuche machen. Im Alltag muss sich das zweitlangsamste Infinity-Abo der Swisscom noch beweisen. Ich werde in den nächsten Tagen verschiedene Apps nutzen und hier darüber bloggen.

Hinweis: Es versteht sich, dass meine Einschätzungen rein persönlich sind. Wer sich für einen Abo-Wechsel interessiert, sollte sich bei verschiedenen Quellen informieren.

Weitere Beiträge zu diesem Thema unter dem Label Infinity

Freitag, 22. Juni 2012

Dirty Harry, der Gast in deiner Dusche



Die Kosmetiklinie "I am" von Migros ist um ein Männer-Duschmittel reicher: Dirty Harry. Um es vorweg zu nehmen: Es riecht phantastisch: männlich-herb, ein Duft, den ich gerne trage und der meiner Frau ein freudiges "Wow" entlockte.


Mit dem Slogan "Frische-Dusche mit dem Duft der Freiheit" verspricht die Verpackung nicht zu viel. Der Duft ist herb und doch frisch, männlich und verführerisch. Der Cowboy mit kantigem Gesicht und Colt untermalt diesen Eindruck.




Du bist nicht allein
Und hier liegt das Problem: Kaum ein Mann mag es, wenn ihm ein anderer Mann beim Duschen zusieht. Kommt dazu, dass der Cowboy den Hut tief ins Gesicht gezogen hat. Die Augen sind nicht zu sehen. Sein Blick richtet sich also nicht auf mein Gesicht, sondern in tiefer liegende Regionen, sein verkniffenes Lachen gibt der Situation den Rest. Spätestens seit dem Film Brokeback Mountain ist mann in dieser Situation verunsichert.


Was hat der Cowboy auf der Flasche verloren?
Wer die Frauenwelt betören will, nimmt einiges auf sich. Wir Männer sind längst keine Kosmetikmuffel mehr. Ich brauche, wohl auch altersbedingt, bald mehr Cremen und Lotionen als meine Frau. Trotzdem: Ich kenne kein anderes Duschmittel, das ein Gesicht auf der Packung hat. Blumen, Palmen und Müsterchen ja, aber kein Gesicht. Warum tut Migros das? 


Nichts für Luschen
Migros verkauft ihre kleinsten Präservative unter dem Namen Mamba (eine Schlangenart, die, im Vergleich etwa zu einer Netzpython, kurz und dünn ist). Sie hätten auch gleich "XS" aufdrucken können. Ein Mann, der eine solche Packung auf dem Nachttischchen liegen hat, ist ein richtiger Mann: mit Eiern und Selbstbewusstein. 
Und so ist auch der Cowboy auf der Duschflasche zu verstehen: Nur, wer Dirty Harry unter der Dusche selbstbewusst entgegentritt, ist dieses Duschmittels würdig. Verklemmte Luschen sollen gefälligst die Finger davon lassen.


Und das ist wohl die wichtigste Botschaft des Cowboys: Nur richtige Männer verwenden Dirty Harry! - Und alle anderen können ja die Flasche umdrehen.


Dirty Harry, 250ml, CHF 2.40*, erhältlich in der Migros     
(* laut Homepage der Migros, stand 22.06.12)